Cu Chi Tunnel

Cu Chi Versteck, Vietnam

Reisejahr: 2012

Im Amerikanischen Krieg fanden Vietnamesen ihr Versteck unter der Erde. Schon Jahrhunderte vorher gruben Bauern mit ihren Schaufeln Tunnel, die bis zu 10 Meter tief waren. Einige dieser Systeme wurden recht einfach gehalten, andere wurden strategisch bis in jedes Detail durchgeplant. In die Tunnel wurden Schlafräume, Küchen, Militärkrankenhäuser, Schulen, Büros, Munitionsbunker, Brunnen und Ein- bzw. Ausgänge, die ins Wasser mündeten eingebaut. Die Tunnelgänge wurden so schmal konstruiert, dass ein durchschnittlicher Amerikaner oder Europäer sie gar nicht passieren konnte, wenn er sie denn überhaupt fand. Die Eingänge waren überwucherte Klapptüren, die mit Laub bedeckt wurden. Um sie herum wurden Fallen aufgebaut. Von 1960 bis 1975 wurden die Untergrundsysteme als Versteck genutzt. Sie waren im Guerillakampf gegen die USA einer der entscheidenden Vorteile der Vietnamesen. Die US-Armee wusste zwar von den Tunneln, aber suchte deren Eingänge vergeblich. Selbst der Einsatz von Spürhunden, Stethoskopen und Infrarotlicht half nichts, weil die Vietnamesen die Eingänge immer wieder verlegten.

Einer dieser Tunnel befindet sich am Rande der Kleinstadt Củ Chi nahe Ho Chi Minh Stadt. Ich habe mir die Besichtigung so cool vorgestellt. Es war aber insgesamt leider ziemlich ernüchternd.

Die Busfahrt nach Củ Chi war eine Kaffeefahrt, wie sie im Buche steht. Überall wurde angehalten und präsentiert, was man nicht alles kaufen kann. Das Gebiet, an dem wir schließlich ankamen, war ein touristenüberflutetes Militärpuppentheater.

Besichtigung des Củ Chi Tunnels, dargestellt als Pie Chart
Besichtigung des Củ Chi Tunnels, dargestellt als Tortendiagramm

Zunächst wurde uns ein kleines Versteck gezeigt, in das wir selber einmal einsteigen durften. Der Eingang war recht schmal und wurde durch eine Holzplatte abgedeckt. Auf der Platte war Erde und darüber wurde Laub geworfen.

Ich steige in ein typisches Versteck von Vietnamesen im Krieg ein.
Ich steige in ein typisches Versteck der Vietnamesen aus dem Amerikanischen Krieg ein.

Cu Chi Tunnel Versteck

Versteck aus dem Vietnamkrieg in Cu Chi

Verschlossenes Versteck in der Nähe des Cu Chi Tunnel, Vietnam
Verschlossenes Versteck, mit Laub bedeckt

Die wenigsten haben diese Möglichkeit wahrgenommen. Man braucht sich also keine Gedanken zu machen, dass man eventuell nicht dran kommt.

Als ich für ein paar Sekunden in der dunklen Kammer war, konnte ich mich ein wenig in die Lage hineinversetzen. Wie viel Angst muss ein Mensch in diesem Versteck gehabt haben? Hätte der Feind einen darin entdeckt, hätte man nirgendwo hin flüchten können.

Danach zeigte uns der Guide verschiedene Fallen, Schützenlöcher und Werkzeuge.

Falle aus dem Amerikanischen Krieg in der Nähe des Củ Chi Tunnels.
Falle aus dem Amerikanischen Krieg in der Nähe des Củ Chi Tunnels. Wenn ein Amerikaner auf die Platte trat, fiel er in die Grube und wurde direkt erstochen.
Schützenloch beim Cu Chi Tunnel in Vietnam
Schützenloch

Die meisten Situationen wurden mit Schaufensterpuppen dargestellt. Daraufhin kamen wir zu einem Panzer. Der Guide bat uns an, uns nach und nach auf dem Panzer fotografieren zu lassen. Es war ein bisschen skurril, wie Leute auf diesem Kriegsschauplatz begeistert vor, auf oder neben einem Panzer posten. In dieser Situation fragte ich mich, ob ich die falsche Tour gebucht habe. Ich wollte mir doch den Tunnel ansehen. Weiter ging es zu einem Schießstand. Gegen Geld konnte man hier Schüsse mit Waffen aus dem Krieg abfeuern. Der Rest konnte sich im Souvenir-Shop die Zeit vertreiben. Ich war mir nicht sicher, ob ich noch einen Tunnel zu Gesicht bekommen würde. Aber tatsächlich: Nachdem die Schießübungen vorbei waren, wurde uns der Eingang gezeigt. Im Tunnel merkten wir, dass die Gänge immer kleiner und enger wurden. Es boten sich zwischendurch Ausgänge an, die erlaubten, den Tunnel zu verlassen, wenn es einem zu eng wurde. Irgendwann musste ich auf den Knien durch die Schächte kriechen. Der für westliche Besucher stark ausgeweitete Gang war immer noch unheimlich eng. Mehr und mehr Touristen verließen die Schlauch-ähnlichen Durchgänge durch die eingebauten Zwischenausgänge. Die Luft war feucht und modrig. Ich habe mir vorgestellt, wie bedrückend es sein muss, einen ganzen Tag in diesem Tunnel zu verbringen. Manche Frauen haben in solchen Umständen ein Kind geboren. Hier drin sollen Kinos, Schlafräume und Küchen gewesen sein. Es war unvorstellbar. Als wir am Ende ankamen, warteten die anderen Besucher bereits auf uns. Wir haben gar nicht gemerkt, dass nur vier oder fünf von uns bis zum Ende durchgekrochen sind. In diesen Tunneln, wo es die meisten von uns nicht einmal ein paar Minuten aushielten, haben Vietnamesen Jahre verbracht. Das ist unheimlich und ganz schön beeindruckend zugleich.

Fazit

Für die Besichtigung des Tunnels am Ende und des Verstecks am Anfang hat sich der Ausflug nach Củ Chi gelohnt. Ich bin froh, dass ich diesen Eindruck zumindest ein kleines bisschen nachempfinden durfte. In Vinh Moc gibt es noch einen weiteren Kriegstunnel, den Touristen besichtigen dürfen. Ich habe diesen zwar nie besichtigt, möchte aber dazu raten, Củ Chi zu meiden und nach Vinh Moc zu fahren. Dieser Tunnel soll nicht so touristisch sein.

3 Kommentare zu “Cu Chi Tunnel”

  1. […] Tagestour angeboten wird ein Ausflug zu den Tunneln von Cu Ci. Das unterirdische Labyrinth hatte einst eine Länge von rund 200 Kilometern. Wer unter […]

  2. Haha, das Pie-Chart trifft die Tour auf den Punkt. 😉

    Fehlt sogar noch der 2. Souvenir-Shop und das Restaurant, wo man abgeladen wird, zumindest bei mir war’s leider so.

    1. Ja, stressig sowas. Irgendwie gehört es aber trotzdem meistens dazu 🙁 Hast du dir auch mal den Tunnel in Vinh Moc angesehen?

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