Inle-See und Nyaung Shwe

Eines davon war unseres: Lontailboote auf dem Inle-See

Reisejahr: 2014

Inle-See

Vom Paddeln bin ich es gewohnt mitten im Kajak zu sitzen. Wenn ich durch einen Schwall mit starkem Rückstrom fahre, muss ich schnell aus dem Strom herauspaddeln, sonst zieht er mich wieder ein und das Wasser drückt mir aufs Heck. Dabei schmeißt es dann das Boot um. Auf dem zweitgrößten See von Myanmar, dem Inle, gelten andere Gesetze.

Einbeinruderer auf dem Inle-See
Einbeinruderer auf dem Inle-See

Besonders bekannt ist der See für seine Einbeinruderer. Die Jungs stehen an der letzten Stelle von einem schmalen, langen Boot und klemmen das Ruder hinter das Bein. So können sie sich mit einem Bein und einem Arm fortbewegen. Das andere Bein hält den Körper auf dem Boot, während der übrige Arm zum Fischen eingesetzt wird. Hier prägt sich ein Koordinationstalent aus, das ich beim Kajak fahren gerne hätte 😀

„In“ bedeutet „Wasser“, „le“ bedeutet „vier“. Insgesamt soll es so viel heißen wie „4 Dörfer auf dem Wasser“. Mittlerweile sind es 507 Dörfer, die hier angesiedelt sind. Die Menschen wohnen in Stelzenhäusern. Manche leben vom Fischfang, aber es gibt noch viele andere kreative Arbeitsplätze, die sich hier gebildet haben.

In Nyaung Shwe werden Longtail-Bootfahrten auf den See angeboten. Zu zweit waren wir mit 15.000 Kyat (= 11,12 Euro) dabei. Das ist ziemlich günstig für eine 6-stündige Privatfahrt. Angekommen auf dem Inle-See sieht man sofort Fischer rechts und links von einem.

Rechts und links von unserem Boot sahen wir bereits Einbeinruderer mit ihren Fischernetzen stehen.
Rechts und links von unserem Boot sahen wir bereits Einbeinruderer mit ihren Fischernetzen stehen.
Einbeinruderer mit seinem Fischernetz
Einbeinruderer mit seinem Fischernetz und traditioneller Kluft
Ziemlich entspannte Fischer. Das Netz ist gar nicht im Wasser.
Ziemlich entspannte Fischer. Das Netz ist gar nicht im Wasser.

Hier macht sich eine weitere Lektion vom Paddeln verdient. Angler hassen Paddler. Mit unseren Paddeln stochern wir im Wasser herum und verjagen die Fische. Wir produzieren Wellen und Lärm. Wenn wir erst mal weg sind, kann es lange dauern bis sich ein Fisch wieder in die Nähe des Köders traut. Hier in Myanmar heizen wir mit einem knatternden Motor direkt an den Fischern vorbei und keinen scheint es zu stören. Im Gegenteil: Sie entspannen und unterhalten sich. Dabei präsentieren sie sich in traditioneller Kluft. Manchmal posieren sie auch für Fotos. Später erfahren wir, dass die Hand voll Fischer am Anfang des Sees bezahlt wird. Sie sollen für Fotos Spalier stehen. Die echten Einbeinruderer sind sehr weit entfernt und sehen so aus wie der junge Mann auf dem ersten Bild. Manche fischen auch einfach mit einer Angel statt mit einem Netz in einem Holzkonstrukt.

Ein echter Einbeinruderer mit seiner Angel.
Ein echter Einbeinruderer mit seiner Angel.
Das typische Fischernetz eines Einbeinruderers
Das typische Fischernetz eines Einbeinruderers

Aber genug von den Ruderern. Die Bootstour auf dem Inle-Lake war wirklich toll. Hier sind einige Fotos vom See und den Menschen darauf:

Überall in Myanmar stehen sie: buddhistische Pagoden
Überall in Myanmar stehen sie: buddhistische Pagoden
Wohnhäuser, Restaurants und kleine Fabriken stehen stabil auf Stelzen.
Wohnhäuser, Restaurants und kleine Fabriken stehen stabil auf Stelzen.
Die Häuser sind durch Brücken verbunden. In andere Dörfer kommt man mit dem Haus-eigenen Boot.
Die Häuser sind durch Brücken verbunden. In andere Dörfer kommt man mit dem Haus-eigenen Boot.

Ganz typisch für eine Boots-Tour in Asien: Uns wurden Fabriken auf dem Wasser gezeigt. Erst wurde uns gezeigt, wie etwas produziert wird. Dann ging es ab in den Souvenir-Shop. Am Inle-See war das jedoch nicht mit Hard-Selling verbunden. Man versuchte nicht zwanghaft uns etwas zu verkaufen. Wir konnten den Souvenir-Shop sogar auslassen, wenn wir wollten. Da das Boot speziell für uns war, konnten wir wieder losfahren, wann wir wollten. Hier möchte ich kurz zwei interessante Bereiche zeigen.

Lotus

Auf dem Inle-See werden Lotus-Blumen gezüchtet. In der Regenzeit sind die abgetrennten Bereiche voller Pflanzen. Die Stängel der Pflanzen werden zur Produktion von Kleidung verwendet. Lotus ist deutlich aufwändiger in der Produktion als Seide und die Kleidung dadurch viel teurer. Für einen Schal benötigt man 4.000 Lotus-Blumen und 20 Tage Produktionszeit. Die Stängel werden durchgebrochen. Dabei bleibt ein hauchdünner Faden zurück, der mit den Fingern abgezogen und mit weiteren Fäden zusammengelegt wird.

Lotus-Faden
Lotus-Faden

Nach dem Zupfen wird gefädelt.

Lotus-Produktion Inle-See

Dann getrocknet.

Die Lotusfäden trocknen in der Sonne.
Die Lotusfäden trocknen in der Sonne.

Und dann gewebt.

In der Lotus-Weberei auf dem Inle-See
In der Lotus-Weberei

Zigaretten

Zigaretten sind ein Thema für das ich mich eigentlich überhaupt nicht interessiere. Tabakliebhaber kommen hier total auf ihre Kosten. Die Produktion von Anis-Zigaretten und anderen Geschmacksrichtungen, wie zum Beispiel Banane wird durch den Filter und das Blättchen besonders interessant. Als Filter wird zusammengepresster Korn genutzt. Das Blättchen ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Blatt.

Zu schnell für ein Foto: Der Zusammenbau einer Zigarette von einer geübten Einwohnerin des Inle See.
Zu schnell für ein Foto: Der Zusammenbau einer Zigarette von einer geübten Einwohnerin des Inle-See.
Diese Blätter werden eingesetzt. Sie ummanteln den Tabak.
Diese Blätter werden eingesetzt. Sie ummanteln den Tabak.

Das Resultat sieht auf den ersten Blick aus wie Munition. Auf den zweiten Blick denkt man, es wären illegale Drogen. Aber es sind völlig legale Anis-Zigaretten im Blatt.

Aniszigaretten im Bündel
Anis-Zigaretten im Bündel

Zurück zum See

Die anderen Produktionen waren eher unspannend. Schmuck und Sonnenschirme wurden vorgestellt. Außerdem standen Tempelbesuche auf dem Programm. Die wirkten allerdings ziemlich künstlich. Die Fahrt auf dem See ist aber richtig entspannend.

Eines davon war unseres: Lontailboote auf dem Inle-See
Eines davon war unseres: Longtailboote auf dem Inle-See
Der Rohbau eines Stelzenhauses
Der Rohbau eines Stelzenhauses
Auf dem kühlen See hat man hin und wieder das Gefühl, man könne auch in Kanada sein.
Auf dem kühlen See hat man hin und wieder das Gefühl, man könne auch in Kanada sein.
Ganz schön windig auf dem Boot.
Ganz schön windig auf dem Boot.
Fabriken und Pagoden
Fabriken und Pagoden

Stelzenhaus

Immer dabei: Die Möven suchen Futter.
Immer dabei: Die Möven suchen Futter.

Nyaung Shwe

Nyaung Shwe ist ein kleines Örtchen, das sich gut als Ausgangspunkt für eine Bootsfahrt auf den Inle-See eignet. Wir haben hier mit vier Tagen etwas zu viel Zeit eingeplant. Ein bis maximal drei Tage reichen. Aber das macht nichts. Wir haben es uns einfach am Flussufer gemütlich gemacht. Ein paar Bilder von Nyaung Shwe:

Ein kleiner Nebenfluss in Nyaung Shwe. Die Familien nutzen ihn zum Beispiel zum Waschen.
Ein kleiner Nebenfluss in Nyaung Shwe. Die Familien nutzen ihn zum Beispiel zum Waschen.
Die Straßen von Nyaung Shwe: bisher noch relativ ursprünglich. Aber hier wird ein Hotel nach dem nächsten gebaut.
Die Straßen von Nyaung Shwe: bisher noch relativ ursprünglich. Aber hier wird ein Hotel nach dem anderen gebaut.

Nyaung Shwe bereitet sich auf den Tourismus vor. Jeder Tag wird von Baulärm begleitet. In jeder Straße entdeckt man eine Baustelle. In ein paar Jahren wird hier ein gutes Hotel neben dem anderen stehen. Am Hafen lässt es sich gut entspannen.

Am Hafen von Nyaung Shwe bildet sich eine farbenprächtige Kulisse.
Am Hafen von Nyaung Shwe bildet sich eine farbenprächtige Kulisse.
Bootsführer bei der Arbeit
Bootsführer bei der Arbeit
Kleine Nonnen mit Sonnenschirm am Ufer
Kleine Nonnen mit Sonnenschirm am Ufer
Paddler mit einem gut ausgeprägten Gleichgewichtssinn.
Paddler mit einem gut ausgeprägten Gleichgewichtssinn.

Eine Fahrt über den ruhigen Inle-See ist rasant und abwechslungsreich und die Uferpromenade von Nyaung Shwe zeigt einem malerische Alltagssituationen aus Myanmar. Frischeren Fisch bekommt man nirgendwo anders. Bye bye Inle-See. Wir behalten dich in schöner Erinnerung. Morgen geht es weiter nach Yangon.

5 Kommentare zu “Inle-See und Nyaung Shwe”

  1. Sehr schöne Bilder und gut ausführlich berichtet. P R I M A !

    1. Hallo Thomas,
      vielen Dank für das positive Feedback. Das höre ich gerne 🙂

      LG
      Lara

  2. Der Inlesee ist super toll. Für mich war er das Highlight meiner Myanmarreise. Das lag vielleicht auch daran, dass ich nach der langen Wanderung einfach nur froh war, endlich mal wieder nicht ständig laufen zu müssen. Hast du diese Wanderung auch gemacht?

    1. Hi Oli,
      nee nee, die Wanderung haben wir uns gespart. Chillen war anstrengend genug 😉

      LG
      Lara

  3. […] hat bereits einen ausführlichen Artikel über den Inle-See geschrieben. Ich auch. Auf einem Longtailboot kannst du dich einen halben Tag über das kühle Gewässer schippern […]

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