Phnom Penh Reisebericht: Quad fahren und ein Besuch der Killing Fields

Unsere Quads, meins war das blaue. Das schwarze ganz vorne hatte unser Guide.

Reisejahr: 2014

Phnom Penh ist die Hauptstadt und die größte Stadt von Kambodscha. Ähnlich wie im Rest des Landes sammelt sich hier relativ viel Müll in den Straßen an und das riecht man hier und da auch. Die Stadt ist direkt am Mekong und bietet eine schöne Uferpromenade.

Mekong-Uferpromenade in Phnom Penh
Mekong-Uferpromenade in Phnom Penh

In meinem Reiseführer wurden die Uferpromenade und die Kolonialarchitektur in Phnom Penh hochgelobt. Im Endeffekt waren beide eine kleine Enttäuschung. Wer schöne Kolonialarchitektur sucht, sollte nach Siem Reap fahren oder in Vietnams Hauptstadt Hanoi ins Botschaftsviertel gehen. Außerdem findet man am Bund in Shanghai tolle Kolonialarchitektur oder man bleibt einfach in Europa oder fliegt nach Sydney in Australien… wie auch immer man es macht, der schönste Ort um sich Kolonialarchitektur anzuschauen ist nicht Phnom Penh. Die Uferpromenade ist zwar sehr schön, aber jeder Blick Richtung Wasser gewährt auch den Blick auf den Müll. Überall in Kambodscha liegt Müll herum. Zu allem, was man kauft und wäscht, möchte man uns noch eine Plastiktüte mehr geben. Diese werden von der Bevölkerung völlig gleichgültig überall verteilt. Die Leute lassen ihren Müll einfach dort fallen, wo sie gerade sind, wenn sie aufgegessen haben. Man merkt bereits an dieser Stelle des Artikels, dass Phnom Penh nicht meine Lieblingsstadt ist. Es wäre aber auch falsch zu denken, dass ich die Stadt ganz schlimm finde. Ich versuche einfach Leuten, die eine Reise planen ein realistisches Bild zu geben.

Als die drei top Sehenswürdigkeiten von Phnom Penh werden die Killing Fields etwas außerhalb der Stadt, sowie das Nationalmuseum und der Königspalast gehandelt.

Nationalmuseum von Phnom Penh
Nationalmuseum von Phnom Penh
Das Nationalmuseum ist von einer schönen, kleinen Anlage umringt. Hier stehen Elefantenfiguren mitten zwischen vielen Pflanzen. Es laufen auch Hühner herum.
Das Nationalmuseum ist von einer schönen, kleinen Anlage umgeben. Hier stehen Elefantenfiguren mitten zwischen vielen Pflanzen. Es laufen auch Hühner herum.

Statt jede Sehenswürdigkeiten abzuklappern, haben wir uns dazu entschieden Phnom Penh, bzw. die Dörfer darum mit einem Quad zu erkunden und uns danach die Killing Fields anzuschauen.

Mit dem Quad durch die Dörfer um Phnom Penh

Bei Nature Cambodia haben wir online eine Quad Tour durch die Dörfer gebucht. Im Preis von 25 USD ist der Eintritt (3 USD), sowie ein Audio-Guide (3 USD) für die Killing Fields inbegriffen. Die Quad-Tour dauert etwa eineinhalb Stunden mit einer Pause, in der man eine kleine Flasche Wasser bekommt. Im Preis ist außerdem inbegriffen, dass ein Tuk Tuk einen am Hotel abholt, sowie nach dem Quad fahren zu den Killing Fields fährt und am Ende wieder zum Hotel zurück bringt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist schon extrem gut.

Unsere Quads, meins war das blaue. Das schwarze ganz vorne hatte unser Guide.
Unsere Quads in der Pause. Meins war das blaue. Das schwarze Quad ganz vorne fuhr unser Guide.

Es kam noch besser. Denn die Quad-Touren werden offenbar nicht von vielen Besuchern gebucht, sodass wir eine Privattour hatten. Vorne fuhr unser Guide, dahinter Maren und ich auf je einem eigenen Quad, sowie ganz am Ende ein weiterer Guide auf einem Roller. Es ist auch möglich ein Quad für zwei Personen zu buchen. Eine Person würde dann hinten drauf sitzen und wäre „nur“ Mitfahrer. Insgesamt haben wir bei dem Anbieter nur 4 oder 5 Quads gesehen. Das heißt, selbst wenn weitere Touristen die Quad-Tour zur selben Zeit buchen, fahren vermutlich maximal vier Parteien mit.

Maren und ich sind beide schon einmal in Deutschland Quad gefahren. Das war aber nicht halb so cool wie in Kambodscha. Wir fuhren durch schöne Landschaften, an Reisfeldern vorbei, quer durch Dörfer. Kinder rannten auf die sandigen Wege um uns abzuklatschen und zuzuwinken. An den Seiten standen Kühe, Büffel, Hunde und Hühner herum. Wir fuhren quer durch ein buckeliges Gelände, in denen die Quads schon ordentlich ins Wackeln kamen.

Es ist gut, dass wir beide schon einmal in Deutschland Quad gefahren sind. Denn das Gelände in Kambodscha hatte es schon in sich. Es gab viele Löcher und Rillen auf den Wegen. Es ging quer hoch, steil runter, auf Brücken und schmale Wege. Die Lenkung der Quads ist nicht mit der von Fahrrädern oder Rollern vergleichbar. Sie ist deutlich schwergängiger und ich musste mich zu erst wieder daran gewöhnen. Maren hat natürlich durchgeheizt, während ich ein bisschen nervös auf meinem Quad wurde. Wir fuhren mit einem kleinen Helm und einem Mundschutz. Die Hitze sammelte sich in meinem Gesicht. Das Quad federte durch die Gegend. An einer Stelle sah ich zwei Hühner neben dem Weg, die ihren Blick auf die andere Seite richteten. Ich ahnte, was passieren würde und bremste ab. In Ultraslowmotion fuhr ich an dem ersten Huhn vorbei und merkte dann, dass ich genau richtig gehandelt habe. Denn das andere Huhn überquerte völlig spontan direkt vor meinen Vorderreifen den Weg und ich stoppte mein Quad rechtzeitig. In der Pause erzählte uns der Guide, dass eine Britin tatsächlich mal bei einem Trip ein Huhn überfahren hätte. Ich muss gestehen, unwahrscheinlich finde ich das hier nicht. Eine Bewertung bei Tripadvisor war auch von einem jungen Mann, der erleichtert bekundet hat, dass er einen Hund nur fast überfahren hätte. Man muss also höllisch aufpassen.

Nach der Pause wechselten wir. Maren fuhr das Quad vor mir. Das war für uns beide angenehmer. Denn die Rallye-Fahrerin, die Maren offenbar in ihrem früheren Leben gewesen ist, brauchte Adrenalin. Ich gluckste dahinter über die buckeligen Wege mit einem immer wechselnden Blick zu beiden Seiten. Hier und da gab ich einem Kind fünf oder wie das heißt. Dabei bin ich so langsam gefahren, dass bloß nichts passieren kann. Aber alles gut gegangen.

Die Quad-Tour kann ich auf jeden Fall weiterempfehlen. Aber ich würde dazu raten, dass man vorher mindestens einmal (besser mehrfach) in Deutschland Quad fährt, weil die Verhältnisse der Wege deutlich anders sind und man sich so schonmal im Vorhinein mit der Lenkung und der Fahrweise eines Quads vertraut machen kann. Für die Kinder auf den Dörfern sind die vorbeirauschenden Quads auf jeden Fall immer ein Erlebnis. Für mich war es das auch.

Es gibt auch einen Anbieter für Quad fahren in Siem Reap. Er heißt Quad Adventure Cambodia.

Killing Fields

Die Killing Fields sind ganz in der Nähe von dem Ausgangspunkt der Quadtour. Das kann auch eigentlich nur der einzige Grund sein, weswegen diese beiden Aktionen mit einander verknüpft angeboten werden. Denn die Stimmung ist eine komplett andere. Fröhlich auf einem Quad durch die Dörfer hüpfen ist schon etwas anderes als sich Geschichten über Massenmord im Konzentrationslager-Stil anzuhören.

Massengrab auf den Killing Fields in Phnom Penh
Massengrab auf den Killing Fields in Phnom Penh

Die Gebäude, die früher auf den Killing Fields standen, sind nicht mehr da. Man versteht die Geschichte der Roten Khmer, sowie die einzelnen Stätten nur mit einem (Audio-)Guide. Es macht wenig Sinn, keinen Audio-Guide auszuleihen, wenn man nicht einen menschlichen Guide hat. Der Audio-Guide ist in vielen verschiedenen Sprachen, u.a. Deutsch, verfügbar.

Zunächst wird die Geschichte von Pol Pot erklärt, der in Frankreich studierte und in den 70er Jahren nach Kambodscha zurück kam, um unter Gewalt das Land streng kommunistisch zu machen. Er gründete die Roten Khmer. Die Khmer sind die größte Bevölkerungsgruppe in Kambodscha. Die Farbe rot steht für den Kommunismus. Wichtig ist also: Die Khmer sind normale Kambodschaner. Die Roten Khmer waren eine aggressive Gruppierung angeführt durch Pol Pot, die Kambodscha so schnell wie möglich in den Kommunismus zwingen wollte. Sie töteten Menschen unter brutalsten Bedingungen, um Kambodscha zu einem Bauernstaat zu machen. Innerhalb von 48 Stunden wurden die Menschen aus den Städten von ihren Familien getrennt, in Arbeitslager gesteckt oder direkt getötet. Nur sehr kleine Kinder durften bei ihren Müttern bleiben. Um Munition zu sparen, schlugen die Roten Khmer Babys im Beisein ihrer Mütter so lange gegen Bäume bis sie tot waren. Sie töteten Menschen mit Hacken und allem was sie finden konnten. Sie versuchten Lehrer und Gelehrte auszurotten, sowie Menschen, die politisch anders dachten, Kritik an den Roten Khmer äußerten oder verdächtigt wurden, das System der Roten Khmer in Frage zu stellen. Dabei galt der Vorsatz „Lieber einen Unschuldigen töten als einen Feind zu verschonen.“

Jedes Kleidungsstück, das auf den Killing Fields gefunden wird, wird in diese Box gelegt. Darunter sind sehr viele Kleidungsstücke von Kindern.
Jedes Kleidungsstück, das auf den Killing Fields gefunden wird, wird in diese Box gelegt. Darunter sind sehr viele Kleidungsstücke von Kindern.
Das Choeung Ek Genocidal Center wurde als Gedenkstätte für die Opfer der Roten Khmer errichtet.
Das Choeung Ek Genocidal Center wurde als Gedenkstätte für die Opfer der Roten Khmer errichtet.
Die Totenschädel der Opfer wurden gesammelt, untersucht und auf verschiedenen Stockwerken in der Gedenkstätte ausgestellt.
Die Totenschädel der Opfer wurden gesammelt, untersucht und auf verschiedenen Stockwerken in der Gedenkstätte ausgestellt.

Wenn man über die Killing Fields geht, sieht man noch Knochen und Zähne der Gestorbenen in der Erde. Diese Überreste, sowie Schädel und Kleidung werden von den Mitarbeitern aufgesammelt. Gerade in der Regenzeit sollen immer mehr Knochen an der Oberfläche sichtbar sein.

Solche Ereignisse sind in der Geschichte schon auf allen Kontinenten zu unterschiedlichen Zeiten passiert. Besonders vergleichbar ist natürlich das Dritte Reich in Deutschland. Aber auch die beinahe Ausrottung der Aborigines in Australien oder der Ureinwohner in den USA möchte ich als Vergleich nennen. Der Erfolg von Pol Pot ist mir überhaupt nicht klar. Es ist für mich sehr schwer verständlich wie sich Gruppierungen, wie die Roten Khmer bilden können. Pol Pot wurde international unterstützt.

Bilder aus Phnom Penh

Zum Abschluss des Artikels sind hier noch ein paar Bilder aus Phnom Penh, sowie Tipps für Backpacker und Langzeitreisende.

Männer kaufen etwas von einem Fahrradfahrer in Phnom Penh.
Männer kaufen etwas von einem Fahrradfahrer.
Rikschafahrer in Phnom Penh
Rikschafahrer
Denkmal: Arbeiter, Soldat und Mutter oder Soldat, Soldat und Mutter?
Denkmal: Arbeiter, Soldat und Mutter oder Soldat, Soldat und Mutter?
Ein Verkehrskreisel in Phnom Penh.
Ein Verkehrskreisel in Phnom Penh.
Mitten auf dem Verkehrskreisel schlafen Menschen.
Mitten auf dem Verkehrskreisel schlafen Menschen.

Tipps für Backpacker und Langzeitreisende

Es gibt ein Backpacker-Viertel, das relativ nah am Fluss ist. Hier reihen sich Restaurants und Bars aneinander. Außerdem gibt es in diesem Viertel auch günstige Hostels und Laundry-Services. Wer seine Wäsche in Kambodscha waschen möchte und Siem Reap und Phnom Penh direkt nacheinander bereist, sollte sie besser in Siem Reap waschen. Dort sind die Preise günstiger und Laundry Services sind noch einfacher zu finden. Siem Reap: 1 USD / kg, Phnom Penh: viele verschiedene Preise. Das günstigste, das wir gefunden haben war 1,25 USD / kg. Dafür mussten wir aber erst ein paar Geschäfte abklappern.

Wir haben uns eine top Unterkunft für ein bisschen mehr Budget außerhalb des Backpacker-Viertels gegönnt. Das hat sich auch gelohnt, denn die besseren Unterkünfte sind auf einem sehr guten Niveau. Die Preise sind vergleichbar mit denen in Hanoi, Vietnam.

One Reply to “Phnom Penh Reisebericht: Quad fahren und ein Besuch der Killing Fields”

  1. […] in den Dörfern In Phnom Penh und Siem Reap werden Quadtouren angeboten. Der Veranstalter in Phnom Penh heißt Nature Cambodia. Hier könnt ihr etwa 1,5 Stunden mit einem Guide Quad fahren und die […]

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