Teheran

Friedensturm Teheran, Iran

1. Eindruck von Teheran

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Abhol-Service gebucht. Der Fahrer steht mit meinem Namenschild am Flughafen bereit. Er weiß, dass das Visum 1-4 Stunden dauern kann, steht aber dennoch die ganze Zeit an Ort und Stelle. Er ist sympathisch, kann aber kein Englisch. Zunächst spielt er typisch orientalische Musik. Er fragt drei Mal, ob uns die Musik gefällt, wir bejahen drei Mal. Daraufhin stellt er auf einen House-Music-Remix von typischen 1live-Künstlern um. Adele, Sia, alles wird von DJ Remix-House-Teheran geschreddert. Unser Fahrer zeigt uns direkt, wie die Straßen im Iran beherrscht werden. Er fährt rasant, egomanisch, ohne Rücksicht auf irgendwen. Er drängelt, lässt nicht rein, fährt auf, drängt jeden von der Straße ab. 3 Spuren sind 5 Spuren. Es ist schön, wieder in Asien zu sein. Rechts und links: Wüste. Braches, braunes Land. Teheran ist ein Smog-Kessel. Wer in dieser Millionenstadt war, genießt in Peking die frische Luft. Die Nase rüstet automatisch auf kurze, stumpfe Atemzüge um.

Ankunft im Hostel

Als wir am Hostel ankommen, möchte unser Fahrer dem Hostel-Mitarbeiter Ilia Kugelschreiber andrehen. Wir warten eine halbe Stunde, unterhalten uns mit den anderen Backpackern. Mindestens 90% sprechen Deutsch. Unser Hostel ist einfach, dreckig und billig. Wir haben den »Tiny Room« reserviert, das kleinste Hostelzimmer der Welt. Es passt exakt ein Hochbett hinein, sonst nichts. Zwei Deutsche haben dasselbe Zimmer gebucht. Doppelbuchungen sind hier Standard. Es gibt ein winziges Gemeinschaftsbad mit Hock-WC. Beim Duschen rüttelt alle 2 Minuten jemand ungeduldig an der Tür.

Ilia konnte sich vom Fahrer losreißen. Er klopft zwei Mal mit dem Finger auf unsere Pässe. »Germany. Good quality. Hardcover passport.« Es wird nicht das einzige Kompliment bleiben, das er über Deutschland ausspricht. Am liebsten würde er direkt auswandern. »Jetzt ist aber keine gute Zeit. Es sind schon so viele Flüchtlinge nach Europa gekommen. Und jetzt werden die Regeln verschärft.«, wird er uns am nächsten Tag erzählen. Ich frage ihn, was er über Deutschland weiß. Er rezitiert über Römer und Germanen. Ilias Schicht dauert 24 Stunden, jeden Tag. Wir schauen uns das Zimmer an. 30 Euro die Nacht, 15 Euro pro Person für Sitzauflagen auf Spanplatten. Man kriegt, was man gibt.

Geld wechseln in Teheran

Am nächsten Tag fahren wir mit der U-Bahn zu den Geldwechslern. Wir haben unseren Reisevorrat in Euros mitgebracht. Ausländische Kreditkarten werden hier nicht akzeptiert. An der Metrostation »Ferdowsi« sammeln sich alle Wechselstuben. Viele haben die Kurse am Fenster stehen. Dadurch sind sie leicht vergleichbar. Von den privaten Geldwechslern vor der Tür wurde uns abgeraten. Der Kurs ist gut, besser als in unserer Währungs-App. Die Wechselstuben sind seriös und unproblematisch. In der Nähe setzen wir uns in ein Café und genießen einen iranischen Tee.

Golestan Palast

Eintritt 150.000 IRR + Eintritt für die Main Hall 150.000 IRR (andere Häuser kosten ebenfalls extra)

Bevor es knallheiß wird… ok also knallheiß ist es bereits, aber so richtig heiß wird es ab 15 Uhr… also vor 15 Uhr fahren wir zum Basar und schauen uns den Golestan Palast an.

Es ist ein Anwesen aus blauen und gelben Kacheln. Wunderschön gestaltet, bietet der Golestan Palast einen Prachtgarten und genügend Schatten, um der prallen Sonne dauerhaft zu entfliehen. Die Main Hall ist ein riesiges Mosaik aus Spiegeln. Fotos sind nicht erlaubt. Das ist verständlich, denn man würde sich in der Inception verlieren. Puppen und Kitsch runden das Bild des historischen Palastes ab.

Zurück im Hostel organisieren wir unsere Weiterreise. Im Iran sind kaum ausländische Touristen. Trotzdem sind die Unterkünfte knapp. Wir telefonieren uns durch die Gästehäuser und Hotels in Kaschan und bekommen schließlich zwei Unterkünfte, die jeweils nur für eine der zwei Nächten frei sind.

Eindrücke anderer Backpacker

Morgens im Hostel berichten uns andere Backpacker von ihren Eindrücken. Hier ist alles dabei von »Ich habe mich im Iran nie wohl gefühlt. Deswegen fliege ich morgen nach Israel.« bis »Ich habe mich hier immer wohl gefühlt und möchte mein Visum voll ausreizen.« Ich glaube, die Wahrheit ist, dass Dir der Iran, wie wenige andere Länder, sein schönes oder sein hässliches Gesicht zeigen kann. Du kannst das glaube ich nicht wirklich beeinflussen. Es passiert einfach. Mit dem schönen Gesicht geht es für uns in Kaschan weiter.

2. Eindruck von Teheran

Am Ende unserer Iran-Reise kehren wir nach Teheran zurück. Vom Inlandsflughafen nehmen wir die Metro. Damit kommen wir wunderbar in die Stadt und sparen das Geld für ein Taxi.

Azadi Tower

Für mich fehlt noch ein wichtiges Highlight. Für andere mag er vielleicht wenig interessant sein, aber ich möchte den Azadi Tower, den Friedensturm von Teheran, unbedingt sehen. Kein Bauwerk dieser Welt steht für mich so sehr für den politischen Protest einer jungen Generation.

Azadi Tower in Teheran
Azadi Tower
Die Vögel kreisen immer wieder um das rechte Bein des Friedensturms
Die Vögel kreisen immer wieder um das rechte Bein des Friedensturms

Die ehemalige Botschaft der USA

Am nächsten Tag fahren wir ins Künstlerviertel (Metro-Station Taleqani), wo wir uns die ehemalige Botschaft der USA anschauen. Von einem Bunker unter dem Gebäude ging 1953 ein Putsch aus, in dem die CIA die Regierung von Mohammad Mossadegh stürzte. Die USA unterstützten Mohammad Reza Schah Pahlavi. Nachdem der Schah im Zuge der Islamischen Revolution entmachtet wurde, stürmten Studenten die Botschaft und nahmen die Mitarbeiter als Geisel. Der Schah flüchtete 1979 aus dem Land. Der Führer der Iranischen Revolution Ruhollah Chomeini wurde daraufhin Staatsoberhaupt und gründete die Islamische Republik. Von nun an regierte im Iran nicht mehr der Kapitalismus, sondern die Religion.

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